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Eine windige Reise um die Insel Hiiumaa herum

Das Ganze fing für mich an, nachdem ich das Laden nach einem wunderbaren Bergsteigen und einem bechäftigtem Wochenende in Südestland erreichte. Ich stellte die letzten Sachen schnell ins Auto und weg in Richtung Rohuküla. In Rohuküla füllte ich das Kajak rasch mit dem Zeug. Das Gepackte wurde von einem Vater mit einer kleinen Tochter überprüft. Nichts konnte von denen ungemerkt bleiben. Sie haben nicht mal mit dem Auge gewinkt oder weggeschaut, sie haben nur ihren Mund oder ihren Körper bewegt. Über die See mit einer Fähre und schnell in den Schlafsack auf dem Strand.

Montag.

Ich wurde um sieben Uhr wach und packte die Sachen sorgfältig. Bin um 9:30 losgefahren. Die See war ruhig und die Sonne versengte. Auf der Ostküste des Inselschen Vohilaiu wurde ich von einer etwa 70-köpfiger Schar von Schwänen gegrüβt (bin beim Zählen mehrmals durcheinandergekommen).
Der Puls war zwischen 115-125, das ist die beste Spanne, um abzunehmen. Thomas meinte: „Wenn du ein guter Bergsteiger werden willst, musst du wenigstens 10 kg leichter sein“. Und das war das Problem ... Eigentlich hatte ich nur 3 kg abgenommen, also musste ich bei dem Klippeklettern mich mehr auf die Technik und die Stärke verlassen als auf das Gewicht. Nach 2,5 Stunden war ich auf der Spitze der Halbinsel in der Nähe von Suuresadama. Eine zehnminutige Pause und gleich weiter nach Lehtma Hafen. Diese ungefähr 17 km waren das erste Zeichen davon, dass die Reise nicht einfach sein wird. Ein Gegenwind kam auf und obwohl die Wellenhöhe nicht groβ war (etwa 50 cm), verlangte die Strecke Anstrengung und es dauerte grob 3 Stunden.
Nach einem ein paar Stunden dauerndem Mittagsessen, habe noch 1,5 Stunden gepaddelt. Die Wellen waren jetzt höher und der Wind stärker. Zwischen den Riffen an der Tahkuna Spitze wurden meine Surffähigkeiten auf die Probe gestellt. Das erinnerte mich sofort an das erste richtige Surfen in Vääna-Jõesuu, wo Eric meinte: “Timo, suche immer nach der Unterstützung von der Spitze der Welle, nicht von dem unteren Teil...!”. Hier brauchte ich das mehr als je zuvor. Ich hatte keine Lust um die Riffe herumzufahren, ich musste mich nur zwischen denen durchpressen. Wieder erinnerte ich mich daran, was ich gelernt hatte, diesmal war das die Anweisung von Jukka: „Spitze...bremsen... warte auf die Welle und paddeln.“
Für die Übernachtung suchte ich mir einen gemütlichen Sandstrand auf der Westküste der Tuhkna Halbinsel aus.

Dienstag.

Wurde um sechs Uhr wach; wenige Stunden später setzte ich mich ins Kajak. Ich wurde überzeugt, dass ein Sandstrand, der zwar schön ist, alles – bis zur letzten Ecke – mit kleinen knirschenden Teilchen füllte. Ich fege die letzten von denen immer noch aus meinen Sachen heraus.:-)
Das Paddeln war am Anfang gelassen. Dann kam ein Gegenwind wieder auf. Ich machte eine 30-minutige Pause auf dem Inselschen Külalaiu und dann weiter in einem Seitenwind. Hatte Mittagessen auf der Nordseite der Kõpu Halbinsel, irgendwo in der Nähe von Mägipe. Dort traf ich Tausend Fliegen und genauso viele Ameisen.
Plötzlich spürte ich einen leichten Schmerz rechts vom Steiβbein und beide Hände waren voll von Blasen. Einige Zauberwörter und das „Fastum“-Gel wurden an diesem Abend für den Hinterteil benutzt und ich glaubte daran, dass das helfen wird!
Es wurde weitergepaddelt. Auf der Spitze der Kõpu Halbinsel hätte ich auf ein sogenanntes Surfingparadies stoβen müssen. Die Erwartungen waren groβ: Was wird da auf mich warten?! Ich musste nicht sehr enttäuscht sein. In Ristna gab es Brecher, Wind und Riffen, wogegen man das Kajak kaputtmachen kann... um es kurz zu sagen, alles was man von einer Surfküste erwarten kann. Das Einzige, was fehlte, waren die Surfer; sie lagen alle flach auf dem Strand. Die Wellen waren so faszinierend, dass ich sie mit meiner Kompaktkamera aufnehmen wollte. Ich ging ans Land, ohne zu denken, wie ich von dort zurückkomme. Ein Anruf an Triin: “Wird das Wetter bei mir sich ändern!” Sie sendete später per SMS eine Wettervorhersage zusammen mit tröstenden Worten: „Es gibt nie eine Reise ohne Gegenwind“.:-)” Ich hab keine gute Bilder bekommen, aber die Erinnerung war gut. Aber jetzt, wie kommt man zurück auf die See. Die Küste war kiesig und meine Beine sanken tief darein, als ich nach einem Startplatz für das Kajak suchte. Es war eine richtige Anstrengung, den vollgeladenen „Pfeil“ zu ziehen. Den Bogen ins Wasser und hop-hop! das Hemd anziehen und sich eilen!, damit die Wellen mich nicht zurückschlagen. Bin heraus auf die See kommen, ich Glückspils!
Die nächste Haltestelle war Kalana Hafen. Dort bekam ich wertvolles Wasser fürs Kochen und eine Tasse Maschinenkaffee von einer netten Familie. Sie haben mir auch Bettzeug und eine Übernachtungsmöglichkeit angeboten, aber ich war noch stark genug zum Paddeln und bin weitergefahren. Ich verschwand aus ihrer Augen in die Wellen und etwa in einer Stunde suchte ich mir einen nächsten Sandstrand als Lagerplatz aus. Ich hatte genug Zeit zum Kochen und um ein Zelt aufzuschlagen und dann wurde ich vom leisen Prasseln des Regens in den Schlaf gelullt.

Mittwoch

Ich starte vom südlichen Teil der Kõpu Halbinsel in der Nähe von Kalaste und Ojaküla. Das Ziel war irgendwo in Mänspe oder Haldi. Die ersten Schläge waren gut und dann ist etwas passiert, was alle sagen, nämlich, GPS ist zwar eine coole Sache, aber es kann sich auch ausschalten. Und jetzt ist es passiert – die Batterien wurden leer. Zum Glück war das Wetter klar und man konnte das Azimut messen. Ein Rückwind wehte von der rechten Seite; und also, sollte der Strom mich ablenken, dann nur in Richtung Land. Ich fuhr nach dem Azimut und versuchte den Strom zu berücksichtigen, so erreichte ich Haldi Point. Der Rückwind, der zuerst positiv schien, war im Endeffekt doch nicht so gut. Die sanfte ungefähr 1 Meter hohe Wellen, die von der Seite kamen, machten das Einhalten des Kurses schwieriger und nicht einfacher. Aber natürlich bot es etwas Antrieb. Ich brauchte 3 Stunden für 20 km. Eine Pause und 5 weitere km mit einem kräftigen Seitenwind. In Tiefpunkten der Wellen musste ich ständig auf Zufälle in Riffform auf der Hut sein. Die Wellenhöhe errinnerte mich wieder an eine sanfte Version von „Vääna surfing“. Als das Sõru Port in Sicht kam, liessen auch der Wind und die Wellen nach. Ich lief kurz in Sõru Port an und fuhr dann weiter, ohne aus dem Kanu auszusteigen. Die Südspitze von Hiiumaa ist seicht, verdammt seicht. Ich kletterte aus dem Kajak aus und schleppte es ins knietiefe Wasser. Ich hielt das für ein klügeres Verhalten als den Grund mit meinem wunderbaren blauen Paddel zu schlagen (es war natürlich schon eingebeult genug).
Als Kassari in Sicht kam, fühlte ich wie Freude in mir aufstieg. Ab diesem Moment war der schwierigere Teil der Reise vorbei, oder wenigstens dachte ich es.
Es war fast acht Uhr abends, das war die Zeit, wenn ich einen Tag gewöhnlich beendete. Die See war ruhig, mit einem leichten Westwind – etwa 8 km bis Kassari, nach der Messung mit verschiedenen Methoden (nach einer weiteren Messung waren es 10 km). Das, was jetzt passierte, konnte man als einen guten Tag bezeichnen. GPS zeigte 7,5-8,6 für Geschwindigkeit. Ich sicherte die Sachen zwischen den Gummis und machte etwas Sport. Ein optimaler Rückenwind und leichte Wellen, und nur etwas über eine Stunde später war ich in der Spitze der Sääre Landspitze.
Dort erschreckte ich einige Radtouriste. Ein Anruf von Taavi teilte mir mit, dass ich Besuch erwarten konnte. So sei es; ich kramte meine Luftmatratze aus dem Kanu heraus und bereitete „eine Sofa fein wie Nebel“ vor. Taavi und Freunde brachten mir gegrillte Flunder und leckeren grünen Salat; ich schluckte diese am nächsten morgen herunter.

Donnerstag

Aufwachen; es bleiben nur etwa zwanzig Kilometer auf der See. Aber es schleppte und schleppte und schleppte. Die Sonne sengend, sogar für die Knie; ich lüftete sie zwischen der Schürze.
Das einzige bemerkenswerte Sache bei dieser letzten Strecke war das, dass ich eine schwarze Kuh erschrechen konnte. Sie wärmten sich auf der Ecke eines Inselchen. Nach einem kräftigen Muhen als Begrüβung, wurde das Gesicht der schwarzen Kuh sofort weiβ. Ehrlich, ich hatte noch nie eine völlig schwarze Kuh mit einem völlig weiβen Gesicht gesehen. Später entdeckte ich eine weitere schwarze Kuh, aber diese hatte nur einen kleinen Flecken auf dem Stirnband. Folglich, es ist wegen des Schocks blass geworden; ich hoffe, sie hat sich inzwischen wieder beruhigt.
Ich fuhr um Saarnaki, fuhr zwischen Kaevasti und Hiiumaa durch und da war Heltermaa. Das Grollen der Hafenkonstruktion war überhaupt kein Ärger. Ich erinnerte mich an Ivar und Mart. Meine erste Fahrt als Hilfsführer. Mart hatte eine Schwimmweste auf die Schulter gelegt, damit ich sie identifizieren könnte; ich war damals ein Neuling. Die beiden waren braun wie Neger in Filmen und sie hatten ein freundliches Lächeln auf den Gesichtern.
Es ist cool, allein zu reisen. Du wirst deine Fähigkeiten merken und auch Dinge, die du noch lernen oder üben musst (in meinem Fall zum Beispiel Singen, denn kein Vogel kam, um zuzuhören, sogar nicht auf der See, als ich versuchte „Saaremaa Walzer“ im Stil von Uno Loop zu trällern).
Eine Nacht zu Hause geschlafen, am Computer mit einer Tasse Kaffee, und da die Karte von Estland offen vor mir liegt... wohin als Nächstes!?!?
 

Zusammenfassung:

  • Hiiumaa ist ein netter Ort für Kajakfahren mit sandigen Stränden und verstohlenen Riffen!
  • insgesamt etwa 166 km wie erwartet
  • maximale Geschwindigkeit (laut GPS) 16.3 km/h
  • durchschnittlich 5.7 km/h
  • auf der See 29 h 27 min
  • habe 3 Kilos abgenommen, jetzt schon wieder genauso viel zugenommen :-P.